Fallbeispiel

Modellfall: Onkologisches Zentrum vor der Re-Zertifizierung

Mittelgroßes kommunales Krankenhaus, vier DKG-zertifizierte Tumorbereiche, sechs Monate vor dem jährlichen Re-Audit. Modellfall – nicht aus echten Pilot-Daten.

Stand: 05. Mai 2026

Setting

  • Einrichtung: mittelgroßes kommunales Akut-Krankenhaus, ca. 450 Betten, südwestdeutsche Region
  • Zertifizierungen: Brustzentrum (DKG), Darmkrebszentrum (DKG), Prostatakarzinomzentrum, Onkologisches Zentrum
  • Anlass: jährliches Re-Audit in 6 Monaten
  • Trigger: ein Pre-Audit-Hinweis aus dem Vorjahr zur Schnittstelle OP → Pathologie und Apotheke → Onko-Tagesklinik

Die Träger-Geschäftsführung ist alarmiert: Verlust der Zertifizierung bedeutet im KHVVG-Kontext mittelbar Verlust der zugehörigen Leistungsgruppen, und damit Vergütungsausfall in Millionenhöhe.

Ausgangslage

Heutiger Workflow:

  • OP → Pathologie: Schnellschnitt-Proben werden persönlich von OP-Pfleger:innen zur internen Pathologie getragen. Begleitschein handschriftlich, Übergabe per Stempel an der Annahmestelle.
  • Apotheke → Onko-Tagesklinik: Zytostatika-Zubereitungen werden von der Apotheke an die Tagesklinik transportiert; aktuell mit fortlaufender Excel-Liste pro Tag, geführt von der diensthabenden Apothekerin.
  • Externes Labor: für ausgelagerte Tumormarker. Probentransport per Hauspost, Eingangsbestätigung per Fax.

Die QM-Beauftragte erkennt drei Schwachstellen:

  1. Schnellschnitt-Übergabezeiten sind nicht systematisch dokumentiert; im Audit-Beispielfall „Patient X" lässt sich die genaue Minute nicht rekonstruieren.
  2. Zytostatika-Excel-Listen werden nachträglich vervollständigt, wenn ein Eintrag vergessen wurde – das ist nicht audit-tauglich.
  3. Die externe Labor-Schnittstelle hat keine durchgängige Beweiskette: zwischen Hauspost-Übergabe und Labor-Eingang klafft eine zeitliche Lücke von typischerweise 90–180 Minuten ohne Beleg.

Pre-Audit-Befund (Vorjahr, sinngemäß)

„Übergabe-Doku zwischen OP-Bereich und pathologischem Institut erscheint operativ funktional, ist aber nicht durchgängig auditfähig. Empfehlung: Einführung eines digitalen Übergabeverfahrens mit Zeitstempel und Verantwortlichkeit."

Das war ein Hinweis, keine Abweichung. Beim Hauptaudit kann er zur Abweichung werden, wenn keine sichtbare Verbesserung erkennbar ist.

Pilot-Setup

Die QM-Beauftragte schlägt der Geschäftsführung einen Hemostat-Pilot vor. Scope:

  • Bereich 1: OP → Pathologie (Schnellschnitt-Strecke)
  • Bereich 2: Apotheke → Onko-Tagesklinik (Zytostatika-Versorgung)
  • Beteiligte: OP-Pflegedienstleitung, zwei OP-Pfleger:innen, Pathologie-Annahme, Apotheker:in, Pflegeleitung Tagesklinik, QM-Beauftragte
  • Laufzeit: 60 Tage
  • Erfolgskriterium: lückenlose Doku jedes Schnellschnitt- und Zytostatika-Transports

Was sich nach 4 Wochen zeigt

Kennzahl Vor Hemostat Nach 4 Wochen Hemostat
Schnellschnitt-Median-Zeit OP → Annahme nicht messbar 7 Min
Anteil dokumentierte Übergaben ~60 % (geschätzt) 99 %
Zytostatika-Übergaben mit Empfangsbestätigung ~40 % 100 %
Manuelle Doku-Aufwand pro Tag (Apotheke) ca. 45 Min < 10 Min
Audit-Export Schnellschnitt-Strecke nicht möglich sofort, PDF/A

Die Schnellschnitt-Median-Zeit ist plötzlich messbar – und liegt mit 7 Minuten gut im DKG-Erwartungsbereich. Das ist eine Erkenntnis, die ohne Hemostat nicht entstanden wäre.

Was sich gegen den Re-Audit-Termin ergibt

Drei Monate vor dem Re-Audit:

  • Schnellschnitt-Strecke ist vollständig dokumentiert; PDF/A-Export für die letzten 90 Tage liegt vor
  • Zytostatika-Versorgung läuft auf der Plattform – Excel-Liste ist abgeschafft
  • Externe Labor-Schnittstelle wird in Phase 2 aufgenommen (Verlängerung des Piloten)

Beim Hauptaudit-Termin kann der Auditor zu jedem Patient-Beispielfall die durchgängige Übergabekette in zwei Klicks sehen. Der Vorjahres-Hinweis ist sichtbar abgearbeitet.

Auditor-Perspektive (modelliert)

„Die Schnittstelle OP → Pathologie ist gegenüber dem Vorjahr sichtbar professionalisiert. Das digitale Übergabeverfahren wird konsistent eingesetzt; Stichproben für drei Patienten konnten lückenlos rekonstruiert werden. Die Empfehlung des Vorjahres ist umgesetzt. Keine Abweichung in diesem Bereich."

Ehrliche Lessons (auch was nicht passt)

  • Die externe Labor-Schnittstelle erfordert Mitarbeit des Externen. Wenn der externe Empfänger nicht bereit ist, Hemostat selbst zu nutzen, bleibt eine Doku-Lücke auf der externen Seite. Workaround: QR-Übergabepunkt direkt am externen Labor, scannt der Hauspost-Bote.
  • Smartphone-Verfügbarkeit für OP-Pfleger:innen war ein Onboarding-Thema. Das Haus hat 3 zusätzliche Geräte angeschafft.
  • Pflegekultur-Akzeptanz: in den ersten Tagen Skepsis („wieder ein neues System"). Nach einer Woche kippt sie, weil das System weniger Aufwand macht als der Status quo.

Was im Abschlussbericht steht

  • 100 % der definierten Transporte dokumentiert
  • Audit-Export-Engine produktiv
  • Re-Audit-Vorbereitung 6 Monate vor Termin abgeschlossen
  • Empfehlung Geschäftsführung: Rollout auf alle Tier-1-Bereiche; Aufnahme der externen Labor-Schnittstelle in Phase 2

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